Auch in diesem Jahr haben wir als Fanprojekt Dresden gemeinsam mit der Faninitiative 1953international die Bildungsarbeit der SG Dynamo Dresden aktiv unterstützt. Ziel war es, jungen Spielern nicht nur historische Kenntnisse zu vermitteln, sondern sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig zu stärken.
Mit 28 Jugendlichen der U16-Mannschaften von Dynamo Dresden und dem SC Borea Dresden reisten wir nach Terezín, um den historischen Ort des ehemaligen Ghettos Theresienstadt zu besuchen. Die Auseinandersetzung mit den Lebensrealitäten der inhaftierten Menschen eröffnete intensive Gespräche über Ausgrenzung, Verantwortung und die Bedeutung von Zivilcourage.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit war die Beschäftigung mit einer besonderen Facette der Geschichte Theresienstadts: dem Fußball, der dort trotz aller Verzweiflung gespielt wurde. Zwischen 1942 und 1944 organisierten die Häftlinge im Ghetto eine eigene Liga mit mehreren Teams und festen Spieltagen. Zu den Spielen kamen Tausende Zuschauer. Für kurze Zeit konnten sie Gemeinschaft, Freude und ein Stück Normalität erleben. Gleichzeitig war der Spielbetrieb Teil einer propagandistischen Inszenierung der Nationalsozialisten. Viele der beteiligten Spieler wurden später deportiert. Fußball bedeutete für die Menschen im Ghetto dennoch einen Moment der Ablenkung vom Schrecken des Alltags. Er stärkte ihr Gefühl von Menschlichkeit und machte deutlich, welche Kraft Sport für Identität, Zusammenhalt und Hoffnung entfalten kann.
Die Bildungsflanke orientiert sich dabei bewusst am Leitsatz 7 der SG Dynamo Dresden:
„Wir sind ein Ausbildungsverein. Wir unterstützen unsere Nachwuchsspieler nach Kräften, sich zu selbständigen, verantwortungsvollen Persönlichkeiten zu entwickeln und ihr fußballerisches Potenzial voll auszuschöpfen. Wir fördern die schulische und berufliche Ausbildung unserer Talente.“
Genau hier setzt eine solche Bildungsfahrt an. Persönlichkeitsentwicklung bedeutet nicht nur Training auf dem Platz, sondern auch die Fähigkeit zur Reflexion, Empathie und zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Durch die Begegnung mit Geschichte, das gemeinsame Diskutieren und das bewusste Übertragen der Erkenntnisse auf die eigene Lebenswelt wurden Kompetenzen gefördert, die weit über den Sport hinausreichen.
Auch der Gedanke aus Leitsatz 10:
„Wir Schwarz-Gelben helfen einander und nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr – nach innen und nach außen. Dynamo ist offen für jeden, der unsere Werte anerkennt: Menschen aller Schichten, Hautfarben und Kulturen kommen in unseren Farben zusammen.“
Das klare Bekenntnis zu demokratischen Werten und gesellschaftlicher Verantwortung, wurde durch die gemeinsame Arbeit konkret erfahrbar. Respekt, Solidarität und Haltung wurden nicht abstrakt thematisiert, sondern im gemeinsamen Lernen, Diskutieren und Reflektieren praktisch eingeübt. Diese Bildungsfahrt hat eindrucksvoll gezeigt, wie das Leitbild des Vereins durch konkrete Projekte mit Leben gefüllt wird. Fußball wurde dabei zum pädagogischen Zugang. Er fungierte als verbindendes Element zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zudem wurde er zu einem Lernfeld für Charakter, Verantwortung und gemeinschaftliches Handeln.




