Vom 24. bis zum 26. März 2026 versammelten sich über 130 Fachkräfte zur 32. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte in Erfurt. Unter dem Titel „Zwischen Anpfiff und Alltag“ stand die Tagung im Zeichen der aktuellen Debatten rund um Fankultur, Sicherheit und die Rolle der sozialpädagogischen Fanarbeit.
Für das Fanprojekt Dresden waren Christian Kabs und Ronald Beć vor Ort, um ihre Perspektiven in den bundesweiten Diskurs einzubringen.
Sicherheitsdebatte und Fankultur im Fokus der Podiumsdiskussion
Zur Eröffnung waren verschiedene Akteure aus Sport, Politik, Wissenschaft und Fanorganisationen am Dienstagnachmittag eingeladen. Begrüßt wurde auch die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, Katharina Schenk. Sie betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Jugendhilfe im Sozialraum Fußball. Grußworte hielten auch der Sportbeauftragte der Stadt Erfurt, René Hofmann, Eric Roda Gracia als Vertreter der DFL, Christina Gassner für den DFB und Michael Gabriel für die Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj.
Ein zentraler Programmpunkt am Dienstag war die Podiumsdiskussion, die sich intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen Stadionsicherheit und gelebter Fankultur auseinandersetzte. Neben unserem Mitarbeiter Christian Kabs diskutierten Michael Madre (Leiter der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze – ZIS), die Soziologin Stephanie Moldenhauer (Kofas – Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene Soziale Arbeit) sowie Thomas Kirschner (Sprecher der Fanbeauftragten der Vereine) über die aktuelle Lage in den Stadien.
In der Debatte wurde deutlich, dass pauschale und praxisferne Sicherheitsvorstellungen oft die wertvolle Präventionsarbeit der Fanprojekte erschweren. Christian betonte auf dem Podium, wie wichtig die Beziehungsarbeit und das Vertrauensverhältnis zu den Fanszenen sind, um Konflikte bereits im Vorfeld zu entschärfen. Der Tenor der Runde: Echte Sicherheit entsteht nicht allein durch polizeiliche oder ordnungspolitische Maßnahmen, sondern vor allem durch Kommunikation und das Verständnis für die Belange der Fans. Am Standort Dresden konnten wir in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren wichtige Erfahrungen sammeln und kleine Erfolge erzielen.
Fachlicher Tiefgang in den Arbeitsgruppen
Doch es galt, nicht nur die große Bühne zu bespielen, sondern am zweiten Tag auch in Fachgruppen an konkreten Themen für unsere tägliche Praxis zu arbeiten. Nach einer kurzen Eröffnung in der Kirche des ehrwürdigen Augustinerklosters widmeten wir uns folgenden Schwerpunkten:
- Stadionverbotsrichtlinien: Christian setzte sich – wie schon in den vergangenen Monaten – mit den angekündigten neuen Richtlinien auseinander, die derzeit zwischen Innenministerien und Verbänden mehr oder weniger verhandelt werden. Unser Ziel bleibt es, den pädagogischen Spielraum zu erhalten und einer willkürlichen Verschärfung sowie einer Paralleljustiz entgegenzuwirken.
- Rechtshilfe-Tipps für Fanprojekte: Ronald sammelte wichtige Erkenntnisse und juristische Tipps für die alltägliche Arbeit, insbesondere die Spieltage. Vor allem durch die seit Jahren intensive Zusammenarbeit mit der Schwarz-Gelben Hilfe konnten wir aber auch wichtige Erfahrungswerte vorrangig im Umgang mit polizeilichen Maßnahmen mit den anderen Fachkräften teilen. In dieser Hinsicht können wir uns in Dresden wirklich glücklich schätzen über die seit vielen Jahren gewachsenen Strukturen in verschiedenen Bereichen. Das ist nicht selbstverständlich.
Die Tagung, die vom Ostverbund organisiert wurde, war ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt der Fanprojekte insbesondere nach den öffentlichen Debatten der letzten eineinhalb Jahre. Wir nehmen viele wichtige Impulse für die Arbeit in Dresden mit und bedanken uns beim Fanprojekt Erfurt für die hervorragende Ausrichtung und die thüringische Gastfreundschaft!



